In dieser Folge von WP Legends sprechen wir mit Kevin Geary, dem CEO von Digital Gravy und Gründer von ETCH, über den Paradigmenwechsel, der das WordPress-Ökosystem neu gestaltet.
Von der Entlarvung des jahrzehntelangen No-Code-Experiments bis hin zum Aufbau einer entwicklerorientierten Plattform, die Designfreiheit und Codepräzision vereint, teilt Kevin seine kühnen Erkenntnisse darüber, was als Nächstes für WordPress, KI und die Zukunft der professionellen Webentwicklung ansteht.
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Das Ende der No-Code-Illusion
Im letzten Jahrzehnt erlebte die Webbranche einen massiven Trend hin zu No-Code- und Low-Code-Lösungen, die auf dem Versprechen basierten, dass jeder eine Website erstellen kann. Kevin bezeichnet dies als ein gescheitertes Experiment.
„Selbst nach zehn Jahren kann meine Mutter immer noch nicht eine Website von Grund auf selbst erstellen. Die Werkzeuge mögen sich weiterentwickelt haben, aber die Lernkurve ist nach wie vor steil.“
Laut Kevin waren Plattformen wie Elementor und Divi nicht deshalb erfolgreich, weil sie technisch nicht versierte Nutzer befähigten, Websites zu erstellen, sondern weil Agenturen und Freelancer lernten, mit ihnen Websites zu gestalten. Dies hatte jedoch seinen Preis. Die meisten blieben letztendlich auf die reine Erstellung von Websites beschränkt, ohne die grundlegenden Kenntnisse in HTML, CSS oder PHP zu erwerben.
„Diejenigen, die wissen, wie man Webseiten erstellt, aber nicht, wie man sie entwickelt, werden als Erste von KI ersetzt werden.“
Zurück zu Code und Handwerkskunst
Kevins Philosophie ist klar: Es ist Zeit, sich wieder auf den Code zu konzentrieren.
Er ist überzeugt, dass der Wert eines Webprofis heute im Verständnis der Grundlagen liegt – sauberer Code, Skalierbarkeit, Barrierefreiheit und die Fähigkeit, Kunden bei Strategie und Systemen zu beraten. Das sind Bereiche, die KI nicht abdecken kann.
„KI wird echte Entwickler und Designer nicht ersetzen. Sie wird die einfachen Assembler ersetzen.“
Für Kevin geht es bei diesem Wandel nicht darum, visuelle Werkzeuge abzulehnen. Es geht vielmehr darum, solche zu entwickeln, die die Sprache des Webdesigns respektieren und Profis die volle Kontrolle geben.
Wir stellen ETCH vor: Entwickelt für Profis, nicht für Laien
Auf die Frage, für wen ETCH gedacht ist, hebt Kevin eine wichtige Unterscheidung zwischen Anfängern und Laien hervor.
Ein Anfänger ist jemand, der neu in der Branche ist, aber unbedingt lernen und sich weiterentwickeln möchte. Ein Laie wünscht sich hingegen lediglich eine einfache Drag-and-Drop-Lösung.
„ETCH ist nicht für meine Mutter gedacht, um eine Website zu erstellen. Es ist für diejenigen gedacht, die das Handwerk erlernen wollen – um Websites zu erstellen, die skalierbar, wartungsfreundlich und zukunftssicher sind.“
ETCH integriert sich nahtlos in Gutenberg und bietet Agenturen und Freiberuflern eine leistungsstarke Entwicklungsumgebung, während Kunden ihre Inhalte sicher und einfach im nativen WordPress-Block-Editor bearbeiten können.
Dieser Ansatz befreit die Inhalte von proprietären Seitenerstellern und stellt sicher, dass sie nativ für WordPress bleiben und zukunftssicher sind.
Innerhalb des ETCH-Ökosystems
ETCH ist Teil eines größeren Ökosystems, das Kevin seit Jahren zusammen mit Automatic.CSS, Frames und Inner Circle, einem Lernzentrum für Entwickler, aufbaut.
Jedes Produkt spielt eine Rolle in dem, was Kevin als einen „hocheffizienten, auf Best Practices basierenden Arbeitsablauf“ bezeichnet
„Alle unsere Produkte sind miteinander verbunden. Egal, wo Sie in das Ökosystem einsteigen, Sie werden letztendlich feststellen, dass sie alle perfekt zusammenpassen.“
Laut seiner Aussage greifen Nutzer, die ETCH einmal ausprobiert haben, selten wieder auf andere Tools zurück. So effizient und entwicklerfreundlich ist es.
Austausch des alten Stapels
ETCH vereinfacht den modernen WordPress-Workflow, indem es den Bedarf an mehreren Premium-Plugins ersetzt.
Von Page-Buildern über benutzerdefinierte Felder und Medienverwaltung bis hin zu SEO- und Performance-Tools vereint ETCH all dies in einer einheitlichen Entwicklungsumgebung.
„Es ersetzt sechs oder mehr Premium-Plugins und sorgt gleichzeitig dafür, dass alles sauber, schnell und skalierbar bleibt.“
Für Profis, die mit HTML und CSS vertraut sind, ist der Lernaufwand minimal. ETCH spricht dieselbe Designsprache, die Entwickler bereits kennen.
Voller Einsatz auf WordPress (mit einem Backup-Plan)
Trotz seiner tiefen Verbundenheit mit WordPress blickt Kevin pragmatisch in die Zukunft der Plattform.
Er glaubt an WordPress, entwickelt aber eine Strategie, die Flexibilität gewährleistet, sollte sich das Ökosystem jemals grundlegend verändern.
„Wir setzen voll auf WordPress, aber Etch lässt sich im Notfall problemlos auf einem anderen CMS installieren. Wir haben Alternativen.“
Dennoch ist Kevin zuversichtlich, was die Zukunft von WordPress angeht, insbesondere im Hinblick auf die Weiterentwicklung von KI und modernen Arbeitsabläufen, solange die Community Professionalität und Wertschöpfung priorisiert.
Preisgestaltung, Wert und die WordPress-Denkweise
Kevin geht auch auf ein altbekanntes Problem in der WordPress-Welt ein: die Unterbewertung.
Er argumentiert, dass sowohl Entwickler als auch Plugin-Hersteller die Nutzer darauf konditioniert haben, billige Tools zu erwarten – eine Denkweise, die letztendlich dem Ökosystem schadet.
„Alles im WordPress-Bereich ist unterbewertet. Wenn wir unsere Tools und unsere Arbeit angemessen bepreisen würden, wäre die gesamte Branche gesünder.“
Er hofft, dass ETCH dazu beiträgt, diese Denkweise zu verändern, indem es Qualität, Professionalität und faire Preise für echte Handwerkskunst fördert.
Leben jenseits des Codes
Auf die Frage, was er tun würde, wenn er nicht Tools entwickeln und Webdesign unterrichten würde, lacht Kevin. Er kann sich nichts anderes vorstellen.
„Ich wohne sieben Minuten von einem der schönsten Strände der USA entfernt, aber ich verspüre nie das Bedürfnis, Urlaub zu machen. Ich liebe meine Arbeit zu sehr.“
Zwischen Zeit mit der Familie, Kampfsport und seiner Leidenschaft für Bildung ist Kevin weiterhin intensiv damit beschäftigt, die Zukunft der Webentwicklung zu gestalten.
Schlussbetrachtung
Kevin Gearys Vision für WordPress basiert auf handwerklichem Können, Code und Community. ETCH ist nicht einfach nur ein weiteres Tool. Es ist ein Aufruf, die Webbranche wieder auf Grundlagen, Qualität und Professionalität auszurichten.
„Wir dürfen uns nicht vor dem Code verstecken. Wir müssen ihn verstehen. Darin liegt die wahre Zukunft.“
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Sind Sie Plugin-Entwickler, WordPress-Unternehmer oder jemand, der etwas Spannendes im WordPress-Bereich entwickelt? Wir würden Ihre Geschichte gerne auf WP Legends teilen.